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Trachinus draco, Petermännchen, Weberfisch - Die Kreuzotter des Mittelmeers:

Anfang Juni 2004 verbrachten wir unseren Jahresurlaub in Süditalien (Kalabrien), in der Kleinstadt Tropea.

Ich hatte natürlich wieder meine Meeresrute dabei und wollte mal sehen wie die Tune und Schwertfische in der Straße von Messina so beißen - Meerenge zwischen Kalabrien und der Insel Sizilien.

Leider wurde ich diesmal gebissen (gestochen). Beim Fang von Köderfischen ging mir in Grundnähe nämlich solch ein 35 cm zappelndes Exemplar an den Haken.

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Trachinus draco - Weberfisch
Quelle: http://filaman.uni-kiel.de

Ich kannte zwar vom Erzählen beim Hochseeangeln diese Fischart mit dem vorderen giftigen Rückenstachel, aber keiner hatte je einen dran. Dass an der Seite, schlecht sichtbar, auf jedem Kiemendeckel noch ein giftiger Dorn saß, war mir unbekannt.

Beim Hakenlösen griff ich also mit der Fingerspitze des rechten Ringfingers voll in einen dieser plötzlich ausgeklappten seitlichen Giftstachel.
Das Blut spritzte ohne Unterbrechung aus der Wunde, und da ich mich ca. 300 m vom Ufer entfernt auf einem weißen Tretboot befand, sah dieses nach kurzer Zeit aus wie ein Schlachthaus.

Die Hand zitterte, war taub und gefühllos, und mein Herz raste wie verrückt. Außerdem war mir plötzlich kotzübel. Dann sah ich auch noch lauter weiße Punkte vor den Augen, ich hatte das Gefühl mein letztes Stündlein hat geschlagen. Der ganzer Körper wehrte sich gegen dieses Gift.

An Fotos (Fisch und Finger) war vor sagenhafte Schmerzen nicht zu denken. Da ich ja schon andere Sachen überstanden habe, kam von meiner Begleitung dann noch der nette Spruch - Na hab dich nicht so.

Ich saugte die Wunde mit dem Mund aus und spülte kräftig mit Salzwasser nach. Zum Glück habe ich, gelernt von anderen Unfällen beim Angeln, immer Pflaster und Binde dabei. Wir versorgten die Wunde und sausten mit Wasserskitempo ans Ufer zurück.

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So sah der Finger nach 2 Wochen aus.

Ahhh...- Trachinus draco, so wurden wir vom Bootsvermieter empfangen. Der auf sein Fuß und Knie zeigte und dabei den Umfang eines Elefantenfußes andeutete. Er war das Jahr zuvor, zur gleichen Jahreszeit, beim Bootereinschieben, auf ein solches Exemplar getreten. Im Mai/Juni, zur Laichzeit, buddelt sich diese Fischart in Ufernähe ein und wartet auf einen Partner, unwissenden Angler, Bootsvermieter, Badenden, oder Schwimmer.

Sein Stich zählt zu den schmerzhaftesten von allen europäischen Gifttieren. Bei den hitzeempfindlichen Eiweiß handelt es sich um die Nerven- und Herzgifte Serotonin, Histamin und giftige Proteine.

Mit Hilfe eines sprachkundigen Urlaubers brachte mir der Bootsvermieter bei, dass ich den Finger in heißes Wasser tauchen müsste - staun, staun.
Ich ging also etwas ungläubig zu einer etwas höher gelegenen Beachbar und ließ mir freundlicher Weise sehr heißes Kaffeewasser im durchsichtigen Plastebecher geben. Nach ca. 7-10 min. Eintauchen bei 50-55 Grad C, schwammen weiße Schlieren im Becher - das ausgeflockte, giftige Eiweiß. Ich hätte somit auch einen Kaffee bestellen können, die Milch hatte ich ja im Finger.

Mein Aussaugen hatte also nicht viel genutzt, das ganze Gift war noch im Finger drin gewesen. Ein Hotelgast spendierte dann noch eine Tube Zugsalbe - damit ich bald wieder Angeln kann.

Einem Krankenhausaufenthalt in Süditalien ist abzuraten, angeblich erfolgt dort nur die medizinische Versorgung. Waschen, Essenversorgung, Schieber usw. muss von den Angehörigen erledigt werden. Ich wollte es nicht unbedingt ausprobieren, dann wäre der Urlaub gelaufen gewesen.

Petermännchen - Trachinus draco, werden bis 50 cm lang und sind sehr gute Speisefische. Man muss natürlich die vorderen Rücken- und Kiemenstacheln (Kopf) entfernen. So gab es in der kleinen italienischen Hotelanlage zwei Tage später filetierten, gebratenen, Trachino dragone. Wir waren uns unter kräftigem Lachen alle einig, eine totale Delikatesse !

Beim Hakenlösen sollte man ihn allerdings mit Sie anreden - absolute Vorsicht. Auch ein Lederhandschuh nutzt nichts, die Dornen wirken wie eine Kanüle. Wer also die Schnur kappt, für den habe ich nach meinem Erlebnis volles Verständnis.
Mein Tipp, man sollte die Delikatesse am Schwanz packen und Gong.
Nach dem Urlaub konnte meine Hausärztin keine bleibenden Schäden feststellen, na ob das stimmt?

Hier könnt ihr euch mal ungefähre Vorstellungen von den Schmerzen machen.

Den Kopf kann man ja schlecht in ca. 50 Grad C heißes Wasser stecken !

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Stich eines Trachino dragone ins Gesicht eines Schwimmers.
Quelle: http://www.gifte.de/