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Angler fast vom Blitz getroffen (oder wie baue ich einen Blitzfänger)

Am Freitag Nachmittag, den 22.06.1995 fuhr ich wieder mal auf Graskarpfen, zum Zipfelteich, in das 46 km entfernte Stradow bei Vetschau.
Mein Angelkumpel Banni (Schichtarbeiter) hatte leider keine Zeit mitzukommen. An diesem Produktionsgewässer hatten wir nämlich kurz zuvor, an einem Tag, 11 Graskarpfen gezogen und 4 Stck. entnommen. Also, damals ein feines Graskarpfen - Gewässer. Natürlich hatten wir auch einen Topp Geheimköder.
Wer einmal solche 80 cm bis über 1 m große Torpedos, in einem 1,5 m tiefen Gewässer am Haken hatte, weiß wo von ich rede. Nach dem Anhieb ist nicht viel los, aber in Ufernähe, wenn sie den Kescher riechen, ziehen sie dann noch mehrmals weitläufig ab. Die Spule läuft fast heiß und die Rute wird aufs Äußerste belastet. Einfach geile Drills.

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Der Zipfelteich, ein Produktionsgewässer in Stradow bei Vetschau.

Ich saß also wieder auf der Grabenseite an der Erlenallee, gegenüber dem Fischerhaus, unter meinem Stammbaum und wartete auf weitere schöne Drills.
Der Himmel war an diesem Tag klar, aber es hatte fast die ganze Woche geregnet und auch für das Wochenende waren wieder Schauer und Gewitter angesagt. Aus nordöstlicher Richtung, vom ca. 9 km entfernten Burg (Spreewald), näherte sich in weiter Ferne die erste Gewitterwand des Tages. Ich überlegte, wie lange ich noch in meinem Angelstuhl ausharren sollte. Unter der riesigen Schwarzerle wäre es ja trocken und der Angelschirm lag zur Not ja auch noch im Gras.
Da gab es plötzlich links hinter mir, aus heiterem Himmel, einen mörderisch krachenden Einschlag, ich fiel seitlich vom Angelhocker, neben mir rauschte ein dicker Ast auf meine Ruten und verbog alle Rutenhalter. Danach hörte ich alles nur noch ganz dumpf aus weiter Ferne.
Kurz darauf kam von der anderen Teichseite ein Angler zu mir und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden.
Da man auf seiner Teichseite freie Sicht hat - keine Bäume hatte er gesehen, dass aus der weit entfernten Gewitterwand, ein Blitz fast horizontal den 8 m hinter mir stehenden, etwas kleineren Baum, gesprengt hatte. Das Baumoberteil war dann in meine Richtung gefallen. Mein Stammbaum hatte also schlimmeres verhindert. Eine kurze Kontrolle beider Ruten ergab, dass zum Glück keine größeren Schäden zu verzeichnen waren.
Etwas benommen packte ich meine verbogenen Rutenhalter, sowie alles Andere zusammen und machte mich auf die Heimreise - denn ich hatte Gottes Zeichen verstanden!
Zum Glück war die ganze Zeit über kein Regentropfen gefallen, so dass mein Angelplatz im Trockenen lag!
Eine Woche später fuhr ich wieder an diese Stelle, um u. a. ein Foto zu machen. Inzwischen hatte die Ortsfeuerwehr den über den Weg liegenden oberen Baumstamm beräumt. Bei der Gelegenheit nahm ich mit Genehmigung des Fischers gleich noch einige Aststücken als Räucherholz mit, denn Erle kann man immer gebrauchen.

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Blitz sauber wurde diese Schwarzerle mit 77 cm Durchmesser am 22.06.1995 aus heiterem Himmel gesprengt und hätte fast meine Karpfenruten vernichtet. Schon auf diesem Foto ist ein Hohlraum im Baum gut zu erkennen.

Später, im April 1996 machten wir abermals an unserer Stelle eine Karpfenkontrolle. Inzwischen hatte die Feuerwehr auch den restlichen Erlenstamm zersägt und im Baumstumpf war ein 14 cm dickes, vermutlich durch einen Erlenpilz verursachtes, Loch zu sehen. Erlen sind von Natur aus eigentlich nicht hohl. Ich kippte mit meinem Köderfischbehälter 10 l Teichwasser in das Loch, das Wasser blieb im Hohlraum stehen und versickerte nicht im Wurzelbereich.

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Der im April 1996 zersägte Erlenstumpf. Erst jetzt war die 14 cm dicke Wasserröhre, welche vermutlich den Blitz angezogen hatte, deutlich zu sehen. Die Wurzeln reichen bis rechts unten in das Grabensystem.

Für mich war der Fall jetzt klar:
Das Regenwasser der ganzen Woche hatte sich damals vermutlich im Hohlraum des Baumes, bis hinab kurz vor den Wurzeln gesammelt. Diese ca. 10 bis 12 m hohe Wassersäule muss für den weit entfernten Blitz wie ein außergewöhnlich starkes, gegenpoliges, elektrisches Feld gewirkt haben. Ansonsten wäre er sicherlich vertikal und nicht horizontal in andere weit höheren Bäume, das Teichwasser oder die Telefon -und Lichtleitungen, eingeschlagen.

Ein ähnlich gewaltiger, gleißender Blitz verletzte am Dienstag, den 10.07.2007 gegen 20 Uhr, sieben Menschen aus Jänschwalde (nordöstlich von Cottbus) schwer, die vor dem Regen unter einem Baum Schutz gesucht hatten.

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Solch ein gewaltiger Blitz erhitzt die ihn umgebende Luft bis auf 30 000° C und erzeugt beim Nah-Beobachter: Verbrennungen, Gehörtrauma, Sehstörungen, Herzflimmern oder den Tod. Foto: Ralf Engel, http://www.seethenature.de/

Dieser einzige Blitz kam überraschend nach dem Regen und erhellte die Landschaft bis zu 5 km Entfernung wie ein Blitzlichtgerät.
Gleichzeitig gab es einen ohrenbeteubenden Knall und danach war absolute Ruhe. Der Knall war bis in die 19 km entfernte Stadt Guben zu hören.

Ein weiterer kurioser Blitz war bei schwerem Unwetter am 30. Juli 2008 in Sexau im Breisgau (Baden-Württemberg) zu sehen.

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Dieser Blitz streckte 11 trächtige Kühe tödlich nieder, welche unter einer Pappel vor Starkregen Schutz gesucht hatten. Foto: dpa

Wenn man bedenkt, dass bei solch einer Fangentladung ca. 20.000 Ampere fließen, 30 Millionen Volt Spannung anstehen und an der Einschlagstelle am Blitzkanal ungeheuere 30.000° C auftreten, ist es kein Wunder, warum das verdampfte Wasser den Baum in Stradow im Bruchteil einer Sekunde sprengte. In Deutschland sterben etwa 10 Menschen pro Jahr durch Blitzeinwirkung.
Solch einen Blitzfänger könnte man mal nachbauen.